EU AI Act: Was deutsche Unternehmen ab August 2026 wissen müssen

Von Emre Sakalli · Stand: Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Ab dem 2. August 2026 gelten die meisten Pflichten des EU AI Act. Die Umsetzung hinkt trotzdem hinterher: Etliche EU-Mitgliedstaaten, Deutschland eingeschlossen, haben ihre Aufsichtsbehörden bis heute nicht vollständig benannt. Für dein Unternehmen ändert das wenig. Die Pflichten gelten.

Was ist der EU AI Act?

Der EU AI Act ist das erste umfassende KI-Gesetz weltweit. Er teilt KI-Systeme in Risikostufen ein und knüpft an jede Stufe eigene Anforderungen. Je riskanter die Anwendung, desto mehr musst du nachweisen.

Die wichtigsten Fristen

2. August 2026 (Hauptstichtag): Die meisten Regeln gelten. Transparenzpflichten, Konformitätsbewertungen für Hochrisiko-Systeme, technische Dokumentation, CE-Kennzeichnung und Registrierung in der EU-Datenbank.

Ende 2026 (geplant): Im Rahmen des Digital-Omnibus-Pakets wird eine verlängerte Übergangsfrist für Wasserzeichen-Regeln bei KI-generierten Inhalten diskutiert.

Ende 2027 (geplant): Diskutierte Verlängerung für Hochrisiko-Systeme in Bereichen wie Biometrie, Beschäftigung und Strafverfolgung.

2028 (geplant): Vorgesehene Frist für KI in sicherheitskritischen Sektoren (Medizinprodukte, Fahrzeuge, Luftfahrt).

Was kommt auf dich zu?

Das hängt davon ab, wie du KI einsetzt. Der AI Act unterscheidet vier Risikostufen:

Minimales Risiko: Hier landen die meisten Anwendungen, etwa Spamfilter, interne Textwerkzeuge oder Übersetzung. Keine besonderen Pflichten.

Begrenztes Risiko: Hier gelten Transparenzpflichten. Systeme, die mit Menschen interagieren, müssen klar als KI gekennzeichnet werden: Dein Chatbot auf der Website muss dem Nutzer sagen, dass er mit einer KI spricht. Auch KI-generierte Inhalte musst du als solche offenlegen.

Hohes Risiko: KI-Systeme in kritischen Bereichen wie Personalauswahl, Kreditvergabe, Bildung oder Gesundheit. Hier gelten strenge Anforderungen: Risikoanalysen, Qualitätsmanagement, menschliche Aufsicht, Dokumentation.

Verboten: Praktiken wie Social Scoring oder manipulative KI-Systeme sind grundsätzlich untersagt.

Für die meisten KMU gilt: Wenn du einen KI-Chatbot auf deiner Website hast, Texte mit KI generierst oder Workflow-Automatisierung mit KI nutzt, fällst du in die Kategorie "minimales" oder "begrenztes" Risiko. Die Anforderungen sind überschaubar, aber du musst sie trotzdem erfüllen.

Was du konkret tun solltest

1. Bestandsaufnahme: Welche KI-Systeme nutzt du? Chatbots, Textgenerierung, Bildgenerierung, Automation? Liste alles auf.

2. Risiko klassifizieren: In welche Kategorie fällt jedes System? Die meisten kleinen Unternehmen nutzen nur Systeme mit minimalem oder begrenztem Risiko.

3. Transparenz sicherstellen: Kennzeichne KI-generierte Inhalte. Mach bei Chatbots klar, dass der Nutzer mit einer KI spricht. Das sind die wichtigsten Pflichten für die meisten KMU.

4. Dokumentation: Halte fest, welche KI-Systeme du nutzt, wofür und wie. Kein Roman, eine einfache Übersicht reicht für die meisten Fälle.

5. Shadow AI aufdecken: Frag nach, welche KI-Tools deine Leute nebenbei nutzen. Was du nicht kennst, kannst du auch nicht kennzeichnen.

Deutschland und KI: Wo stehen die Unternehmen?

Was ich bei Anfragen sehe: KI ist in fast jedem Betrieb angekommen, aber meistens als ChatGPT-Tab im Browser. Von einem eingebauten, dokumentierten Einsatz ist das noch weit entfernt.

Für dich heißt das vor allem eins: Du bist nicht spät dran. Wer die Grundlagen jetzt sauber aufsetzt, muss später nichts zurückbauen.

Das Digital Omnibus Paket

Auf EU-Ebene wird mit dem "Digital Omnibus" Paket über Vereinfachungen verhandelt. Es soll einige Fristen verschieben und den Verwaltungsaufwand reduzieren, besonders für KMU. Im Gespräch sind unter anderem:

Verlängerte Übergangsfristen für Hochrisiko-Systeme in bestimmten Bereichen, mehr Zeit für die Wasserzeichen-Regeln bei KI-Inhalten und vereinfachte Dokumentationspflichten für kleine Unternehmen.

Aber: Solange das Omnibus-Paket nicht formal in Kraft ist, gilt der ursprüngliche Zeitplan mit dem Stichtag 2. August 2026. Warte also nicht ab.

Fazit

Für die meisten KMU ist der AI Act kein Grund zur Panik. Wenn du KI für Chatbots, Texte oder Automatisierung nutzt, bleibt es bei zwei Dingen: kennzeichnen und dokumentieren. Setz das jetzt um, statt auf Nachfristen zu hoffen. Eine Liste deiner KI-Systeme und ein klarer Hinweis am Chatbot decken bei den meisten Betrieben schon fast alles ab.

Dieser Artikel ist eine redaktionelle Einordnung und keine Rechtsberatung.

KI mit AI-Act-konformer Kennzeichnung

Chatbots und KI-Integrationen baue ich von Anfang an mit AI-Act-konformer Kennzeichnung. KI & Automation ab 599€.

Jetzt Projekt anfragen Ideen und Preise für KI & Automation ›