Webentwickler, Agentur oder Baukasten? Was passt zu deinem Unternehmen?

Von Emre Sakalli · Mai 2026, aktualisiert Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Du brauchst eine neue Website und musst dich entscheiden: selber machen mit Baukasten, Freelancer beauftragen oder gleich eine Agentur? Alle drei Wege funktionieren, aber nicht für jedes Projekt. Hier steht, welcher wann passt.

Ich habe mit allen drei Modellen gearbeitet: als Kunde, als Freelancer und zusammen mit Agenturen. Hier ist die unaufgehübschte Version.

Die drei Optionen in einem Satz

Baukasten: Du baust selbst mit fertigen Bausteinen. Günstiger Start, dafür zahlst du dauerhaft Miete.

Freelancer: Einer setzt dein Projekt um, mit dem redest du direkt. Mittlerer Preis, individuelles Ergebnis.

Agentur: Du bezahlst ein Team aus Designern, Entwicklern und Projektmanagern. Teuer, viel Struktur, für große Vorhaben.

Vergleich auf einen Blick

KriteriumBaukastenFreelancerAgentur
Einstiegspreis0-20€/Monat149-2.500€5.000-50.000€
Laufende Kosten15-50€/Monat5-30€/Monat Hosting (bei mir 0€)50-300€/Monat (Wartung)
Zeit bis Launch1-7 Tage (selbst)7-21 Tage4-12 Wochen
KontrolleMittelHochNiedrig (lange Wege)
IndividualitätNiedrigHochSehr hoch
PerformanceMittelHochHoch
SEO-TauglichkeitMittelHochHoch
SkalierbarkeitBegrenztGutSehr gut
Eigentum am CodeNeinJaVerhandelbar

Option 1: Baukasten (Wix, Jimdo, Squarespace, Wordpress.com)

Wann das passt

Baukästen sind sinnvoll, wenn du kein Budget hast und kein Risiko eingehen willst. Klassische Anwendungsfälle:

Vorteile

Nachteile

Kosten ehrlich gerechnet

Erst mal nur 15€ im Monat. Klingt gut. Auf fünf Jahre sind das 900€, dazu die Domain und die Premium-Features, die du irgendwann brauchst: Shop, zweite Sprache, eigene Schriften. Am Ende landen die meisten bei 1.500-3.000€ über 5 Jahre, ohne dass die Seite dabei besser geworden wäre.

Option 2: Freelancer / Webentwickler

Wann das passt

Für die meisten Kleinunternehmen und Mittelständler bis ca. 50 Mitarbeiter ist ein Freelancer die vernünftigste Option. Klassische Fälle:

Vorteile

Nachteile

Worauf du achten musst

Nicht jeder Freelancer ist gleich. Schau dir Referenzen an und lass dir einen Festpreis geben. Die ausführliche Checkliste steht in Wie finde ich den richtigen Webentwickler?

Option 3: Agentur

Wann das passt

Agenturen sind dann sinnvoll, wenn dein Projekt so groß oder komplex ist, dass ein Einzelner es nicht stemmen kann. Beispiele:

Vorteile

Nachteile

Faustregel: Wenn dein Projekt unter 5.000€ Budget hat, ist eine Agentur die falsche Wahl. Du bezahlst dann hauptsächlich Overhead. Ab 15.000€ wird's interessant. Unter 5.000€ und nicht selber machen wollen? Dann Freelancer.

Die Mischformen

Baukasten mit Freelancer-Feinschliff

Wird selten genannt: Du startest im Baukasten und lässt einen Freelancer Design, SEO und Texte aufräumen. Für Budgets unter 500€ eine Option. Die Grenzen des Baukastens bleiben dir aber erhalten.

Freelancer-Netzwerk

Mehrere Spezialisten arbeiten zusammen: einer macht Design, einer Code, einer SEO. Klingt nach Agentur, ist aber günstiger. Wichtig ist, dass einer koordiniert. In meinen Projekten bin das ich. Du hast einen Ansprechpartner, im Hintergrund arbeitet ein kleines Netzwerk.

Welche Option passt zu welcher Unternehmensgröße?

1-5 Mitarbeiter (Solo, Mikro): Baukasten für Visitenkarten-Bedarf, Freelancer für echtes Marketing.

5-30 Mitarbeiter (kleiner Mittelstand): Klar Freelancer. Hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis am besten.

30-100 Mitarbeiter: Freelancer oder Freelancer-Netzwerk, bei komplexen Projekten gerne kleine Agentur.

100+ Mitarbeiter: Agentur oder eigenes Team. Komplexität und Compliance-Anforderungen sind meist zu hoch für einzelne Freelancer.

Was kostet welcher Weg auf 5 Jahre?

Rechnen wir am Beispiel einer typischen Business-Website (10 Seiten, mehrsprachig, Blog):

Auf fünf Jahre kostet der Freelancer-Weg also ungefähr dasselbe wie der Baukasten und liefert die deutlich bessere Seite. Alle Preise im Detail: Was kostet eine Website?

Häufige Missverständnisse

"Agentur = höhere Qualität"

Falsch. Eine Agentur hat höhere Strukturkosten, aber nicht zwingend bessere Entwickler. Viele Agenturen lassen Junior-Entwickler unter Aufsicht eines Seniors arbeiten, während du einen erfahrenen Freelancer mit 10 Jahren Erfahrung direkt buchen könntest. Qualität hängt am Menschen, nicht an der Rechtsform.

"Freelancer = unzuverlässig"

Auch falsch. Ein etablierter Freelancer mit laufenden Kundenbeziehungen ist genauso zuverlässig wie eine Agentur. Was anders ist: bei Krankheit fällt die Reaktionszeit kurz aus. Lösung: such einen Freelancer mit Netzwerk, der notfalls Kollegen einbinden kann.

"Baukasten = nur für Anfänger"

Auch falsch. Ich habe Baukasten-Seiten gesehen, die richtig gut aufgebaut waren. Das Problem ist selten das Werkzeug, sondern dass kaum jemand es ausreizt.

"Je teurer, desto besser"

Nein. Ein 20.000€-Agenturprojekt ist nicht automatisch besser als eines für 2.000€ beim Freelancer. Meist ist es größer und aufwendiger produziert, und für eine Fünf-Personen-Firma schlicht zu viel. Die Frage ist nicht, was es kostet, sondern ob es zu dir passt.

Internationale Plattformen (Fiverr, Upwork, Freelancer.com)

Eine vierte Option, die viele KMU prüfen: Aufträge auf internationalen Plattformen vergeben. Theoretisch günstig (oft 50-200€ für eine Website). Praktisch:

Für sehr standardisierte Aufgaben (Logo-Design, einzelne Grafiken) kann Fiverr OK sein. Für eine ganze Website rate ich davon ab.

Selbstmachen: ein ehrliches Wort

Manche Unternehmer überlegen: "Ich nehm mir ein Wochenende und mach das selbst." Das funktioniert, wenn:

Es funktioniert nicht, wenn:

Rechne als Anfänger mit 30 bis 50 Stunden Lernen und Bauen für das, was 500€ kostet. Rechne das mal gegen deinen eigenen Stundensatz.

Praxis-Beispiele aus meinem Alltag

Beispiel 1: Yoga-Studio aus Essen

Inhaberin, allein, kein Marketing-Budget. Sie hatte mit Wix angefangen, weil ein Bekannter das empfohlen hatte. Nach zwei Jahren kam sie zu mir: "Ich finde mich bei Google nicht, Anmeldungen kommen nur über Instagram." Wir haben die Seite neu gebaut (500€), ein Buchungstool eingebunden und lokales SEO aufgesetzt. Nach drei Monaten kam der erste Klick über "Yoga Essen-Rüttenscheid". Heute kommt ein großer Teil der Neukunden über Google.

Richtig war der Freelancer-Weg statt des Wix-Premium-Pakets. Falsch waren die zwei Jahre, die sie auf "wird schon" gewartet hat.

Beispiel 2: B2B-Software-Anbieter aus München

10 Mitarbeiter, Spezial-Software für Logistik. Die Agentur-Website war von 2018, der neue Marketing-Leiter wollte einen Relaunch. Das Agentur-Angebot lag bei 35.000€ und 6 Monaten. Ich habe die Alternative gebaut: 4.500€, 5 Wochen, Multi-Page mit interaktiver Produkt-Tour.

Richtig war, nicht aus Gewohnheit beim alten Anbieter zu bleiben. Beinahe vergessen hätten sie die bestehenden Google-Rankings. Dafür habe ich eine Redirect-Liste mit über 200 URLs gebaut.

Beispiel 3: Versicherungsmakler aus Stuttgart

Einzelkämpfer mit 15 Jahren Erfahrung. Wollte "irgendwas Einfaches", hat mit Jimdo angefangen, vier Stunden investiert und entnervt aufgegeben. Dann kam die Frage an mich: "Was ist die einfachste Lösung, die ich nicht selber machen muss?" Daraus wurde eine dreiseitige Website für 350€. Er hat in vier Jahren nichts daran geändert. Läuft immer noch.

Richtig war die ehrliche Einschätzung "Ich will das nicht selber machen". Nicht jeder hat Lust auf Tools, und das ist völlig in Ordnung.

Beispiel 4: Maschinenbau-Mittelständler aus Oberhausen

120 Mitarbeiter, internationale Kunden, großes Produktportfolio. Ohne Agentur ging das nicht: 5 Sprachen, SAP-Anbindung für die Produktstammdaten, 3D-Animationen, Whitepaper-Strecke. Budget 45.000€, Laufzeit 5 Monate. Hat funktioniert.

Richtig war, das gar nicht erst mit Freelancer-Budget zu versuchen. Bei der Komplexität ist der Agentur-Preis berechtigt.

Mein Fazit

Für die allermeisten kleinen und mittleren Betriebe ist ein erfahrener Freelancer die richtige Wahl. Du zahlst über fünf Jahre ungefähr so viel wie beim Baukasten und bekommst dafür eine schnelle, gut auffindbare Seite, die dir gehört. Dazu einen Festpreis statt Stundensatz und einen Ansprechpartner statt Telefonkette.

Zum Baukasten greifst du, wenn die Website kein Vertriebskanal ist und das Budget bei null liegt. Zur Agentur, wenn dein Projekt bei 15.000€ anfängt oder strenge Compliance-Auflagen hat.

Du weißt schon, dass es ein Freelancer sein soll, aber nicht welcher? Dann lies Wie finde ich den richtigen Webentwickler? mit Checkliste und Red Flags. Und wenn du wie viele meiner Kunden im Ruhrgebiet sitzt: mein Angebot für Webdesign in Essen.

Freelancer mit Festpreis: lass uns reden

Ich baue Websites und Web-Apps für kleine und mittlere Betriebe. Fester Preis, innerhalb von 3 Tagen online, direkter Draht zum Entwickler. Die Vorschau deiner Website kostet nichts.

Jetzt Anfrage starten Preise und Erweiterungen für Websites ›