Webentwickler, Agentur oder Baukasten? Was passt zu deinem Unternehmen?
Du brauchst eine neue Website und musst dich entscheiden: selber machen mit Baukasten, Freelancer beauftragen oder gleich eine Agentur? Alle drei Wege funktionieren, aber nicht für jedes Projekt. Hier steht, welcher wann passt.
Ich habe mit allen drei Modellen gearbeitet: als Kunde, als Freelancer und zusammen mit Agenturen. Hier ist die unaufgehübschte Version.
Die drei Optionen in einem Satz
Baukasten: Du baust selbst mit fertigen Bausteinen. Günstiger Start, dafür zahlst du dauerhaft Miete.
Freelancer: Einer setzt dein Projekt um, mit dem redest du direkt. Mittlerer Preis, individuelles Ergebnis.
Agentur: Du bezahlst ein Team aus Designern, Entwicklern und Projektmanagern. Teuer, viel Struktur, für große Vorhaben.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Baukasten | Freelancer | Agentur |
|---|---|---|---|
| Einstiegspreis | 0-20€/Monat | 149-2.500€ | 5.000-50.000€ |
| Laufende Kosten | 15-50€/Monat | 5-30€/Monat Hosting (bei mir 0€) | 50-300€/Monat (Wartung) |
| Zeit bis Launch | 1-7 Tage (selbst) | 7-21 Tage | 4-12 Wochen |
| Kontrolle | Mittel | Hoch | Niedrig (lange Wege) |
| Individualität | Niedrig | Hoch | Sehr hoch |
| Performance | Mittel | Hoch | Hoch |
| SEO-Tauglichkeit | Mittel | Hoch | Hoch |
| Skalierbarkeit | Begrenzt | Gut | Sehr gut |
| Eigentum am Code | Nein | Ja | Verhandelbar |
Option 1: Baukasten (Wix, Jimdo, Squarespace, Wordpress.com)
Wann das passt
Baukästen sind sinnvoll, wenn du kein Budget hast und kein Risiko eingehen willst. Klassische Anwendungsfälle:
- Verein, der eine Online-Visitenkarte braucht
- Kleinstunternehmer, der nur seine Telefonnummer und Öffnungszeiten online haben will
- Hobby-Projekt oder Blog ohne kommerziellen Hintergrund
- Testballon: "Funktioniert die Idee überhaupt?"
Vorteile
- Kein Setup-Aufwand
- Hosting und Sicherheits-Updates inklusive
- Du musst niemand bezahlen oder briefen
- Du kannst jederzeit selbst Änderungen machen
Nachteile
- Du mietest, statt zu besitzen. Wenn der Anbieter Preise erhöht oder dichtmacht, bist du betroffen.
- Migration ist Hölle. Du kommst nicht einfach mit deinen Inhalten weg.
- Performance ist mittelmäßig. Baukasten-Seiten laden 2-4x langsamer als handcodierte. Google straft das.
- SEO-Limits. Du hast oft keine Kontrolle über strukturierte Daten, Meta-Tags, Sitemap-Details.
- Du wirst sichtbar als Baukasten erkannt. "Erstellt mit Jimdo" sieht im Quelltext jeder Profi.
Kosten ehrlich gerechnet
Erst mal nur 15€ im Monat. Klingt gut. Auf fünf Jahre sind das 900€, dazu die Domain und die Premium-Features, die du irgendwann brauchst: Shop, zweite Sprache, eigene Schriften. Am Ende landen die meisten bei 1.500-3.000€ über 5 Jahre, ohne dass die Seite dabei besser geworden wäre.
Option 2: Freelancer / Webentwickler
Wann das passt
Für die meisten Kleinunternehmen und Mittelständler bis ca. 50 Mitarbeiter ist ein Freelancer die vernünftigste Option. Klassische Fälle:
- Handwerksbetrieb, der seriös auftreten will
- Beratungsfirma, die Vertrauen aufbauen muss
- Lokales Geschäft, das in Google gefunden werden will
- Start-up, das eine Landing Page braucht
- Online-Shop mit überschaubarem Sortiment (siehe Online-Shop erstellen lassen)
Vorteile
- Direkter Kontakt. Du sprichst mit dem Menschen, der den Code schreibt.
- Kurze Wege. Eine WhatsApp und die Änderung ist abends drin.
- Festpreis möglich. Viele Freelancer arbeiten mit klaren Pauschalen, keine Stunden-Wundertüten.
- Schnelle Umsetzung. Eine Standard-Website in unter zwei Wochen ist normal, ich liefere innerhalb von 3 Tagen. Zeitpläne im Detail: Wie lange dauert eine Website?
- Du besitzt das Ergebnis. Code, Domain, Hosting-Zugänge: alles deins.
Nachteile
- Single Point of Failure. Wenn der Freelancer krank wird, Urlaub macht oder dichtmacht, hast du ein Problem.
- Kapazitätsgrenze. Ein Freelancer kann nicht 20 Projekte parallel stemmen.
- Spezialgebiete. Manche Freelancer können Frontend, aber kein SEO. Manche können Design, aber keine Backend-Logik. Frag konkret nach.
Worauf du achten musst
Nicht jeder Freelancer ist gleich. Schau dir Referenzen an und lass dir einen Festpreis geben. Die ausführliche Checkliste steht in Wie finde ich den richtigen Webentwickler?
Option 3: Agentur
Wann das passt
Agenturen sind dann sinnvoll, wenn dein Projekt so groß oder komplex ist, dass ein Einzelner es nicht stemmen kann. Beispiele:
- Konzern-Website mit Mehrsprachigkeit (5+ Sprachen)
- Online-Shop mit 1.000+ Produkten und ERP-Anbindung
- Markenrelaunch inklusive Logo, Style Guide, Print, Social
- Web-Anwendung mit komplexer Backend-Logik und mehreren Nutzergruppen
- Großkundengeschäft, wo Compliance-Anforderungen (Datenschutz, Auditierbarkeit, SLA) Pflicht sind
Vorteile
- Skalierbares Team. Designer, Entwickler, Texter, SEO-Experten unter einem Dach.
- Ausfallsicherheit. Wenn ein Mitarbeiter geht, übernimmt ein anderer.
- Strukturierte Prozesse. Sprint-Planung, Tickets, Reviews. Ideal für lange Projekte.
- Verträge und Garantien. Größere Agenturen haben SLAs, Vertragsstrafen, definierte Reaktionszeiten.
Nachteile
- Hohe Preise. Stundensätze ab 120-180€, Projekte selten unter 10.000€.
- Lange Entscheidungswege. Du sprichst mit dem Projektmanager, der spricht mit dem Designer, der mit dem Entwickler. Eine kleine Änderung dauert eine Woche.
- Overhead. Du bezahlst Büros, Sales-Mitarbeiter, Geschäftsführung mit, nicht nur die Arbeit am Projekt.
- Standard-Lösungen. Viele Agenturen haben "ihre" Tech-Stacks. Wenn die zu deinem Projekt nicht passen, wirst du da reingedrückt.
Faustregel: Wenn dein Projekt unter 5.000€ Budget hat, ist eine Agentur die falsche Wahl. Du bezahlst dann hauptsächlich Overhead. Ab 15.000€ wird's interessant. Unter 5.000€ und nicht selber machen wollen? Dann Freelancer.
Die Mischformen
Baukasten mit Freelancer-Feinschliff
Wird selten genannt: Du startest im Baukasten und lässt einen Freelancer Design, SEO und Texte aufräumen. Für Budgets unter 500€ eine Option. Die Grenzen des Baukastens bleiben dir aber erhalten.
Freelancer-Netzwerk
Mehrere Spezialisten arbeiten zusammen: einer macht Design, einer Code, einer SEO. Klingt nach Agentur, ist aber günstiger. Wichtig ist, dass einer koordiniert. In meinen Projekten bin das ich. Du hast einen Ansprechpartner, im Hintergrund arbeitet ein kleines Netzwerk.
Welche Option passt zu welcher Unternehmensgröße?
1-5 Mitarbeiter (Solo, Mikro): Baukasten für Visitenkarten-Bedarf, Freelancer für echtes Marketing.
5-30 Mitarbeiter (kleiner Mittelstand): Klar Freelancer. Hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis am besten.
30-100 Mitarbeiter: Freelancer oder Freelancer-Netzwerk, bei komplexen Projekten gerne kleine Agentur.
100+ Mitarbeiter: Agentur oder eigenes Team. Komplexität und Compliance-Anforderungen sind meist zu hoch für einzelne Freelancer.
Was kostet welcher Weg auf 5 Jahre?
Rechnen wir am Beispiel einer typischen Business-Website (10 Seiten, mehrsprachig, Blog):
- Baukasten: 25€/Monat × 60 = 1.500€. Plus Premium-Features ca. 500€. Total: ~2.000€, Performance und SEO unterdurchschnittlich.
- Freelancer: Einmalig 800€ + Hosting 15€/Monat × 60 = 900€ + zwei größere Updates à 300€. Total: ~2.300€, technisch sauber, und es gehört dir. Bei mir fällt der Hosting-Posten weg, dann sind es ~1.400€.
- Agentur: Einmalig 12.000€ + Wartung 150€/Monat × 60 = 9.000€. Total: ~21.000€, mit festem Service, aber teuer.
Auf fünf Jahre kostet der Freelancer-Weg also ungefähr dasselbe wie der Baukasten und liefert die deutlich bessere Seite. Alle Preise im Detail: Was kostet eine Website?
Häufige Missverständnisse
"Agentur = höhere Qualität"
Falsch. Eine Agentur hat höhere Strukturkosten, aber nicht zwingend bessere Entwickler. Viele Agenturen lassen Junior-Entwickler unter Aufsicht eines Seniors arbeiten, während du einen erfahrenen Freelancer mit 10 Jahren Erfahrung direkt buchen könntest. Qualität hängt am Menschen, nicht an der Rechtsform.
"Freelancer = unzuverlässig"
Auch falsch. Ein etablierter Freelancer mit laufenden Kundenbeziehungen ist genauso zuverlässig wie eine Agentur. Was anders ist: bei Krankheit fällt die Reaktionszeit kurz aus. Lösung: such einen Freelancer mit Netzwerk, der notfalls Kollegen einbinden kann.
"Baukasten = nur für Anfänger"
Auch falsch. Ich habe Baukasten-Seiten gesehen, die richtig gut aufgebaut waren. Das Problem ist selten das Werkzeug, sondern dass kaum jemand es ausreizt.
"Je teurer, desto besser"
Nein. Ein 20.000€-Agenturprojekt ist nicht automatisch besser als eines für 2.000€ beim Freelancer. Meist ist es größer und aufwendiger produziert, und für eine Fünf-Personen-Firma schlicht zu viel. Die Frage ist nicht, was es kostet, sondern ob es zu dir passt.
Internationale Plattformen (Fiverr, Upwork, Freelancer.com)
Eine vierte Option, die viele KMU prüfen: Aufträge auf internationalen Plattformen vergeben. Theoretisch günstig (oft 50-200€ für eine Website). Praktisch:
- Sprach-Barriere: Englisch ist meist Pflicht, Deutsch selten
- Zeitzonen-Problem: Wer in Indien oder Bangladesh sitzt, antwortet zu deinen Bürozeiten oft nicht
- Qualität-Lotterie: sehr gute Anbieter mischen sich mit sehr schlechten
- Lokale Expertise fehlt: Impressum, DSGVO, deutsches Steuerrecht. Themen, die der Anbieter nicht kennt
- Eskalation schwer: bei Streit über Lieferung musst du dich an die Plattform wenden, Klagen ist quasi unmöglich
Für sehr standardisierte Aufgaben (Logo-Design, einzelne Grafiken) kann Fiverr OK sein. Für eine ganze Website rate ich davon ab.
Selbstmachen: ein ehrliches Wort
Manche Unternehmer überlegen: "Ich nehm mir ein Wochenende und mach das selbst." Das funktioniert, wenn:
- Du technisch interessiert und geduldig bist
- Du gerne Tutorials guckst und ausprobierst
- Du eine sehr einfache Seite brauchst (Visitenkarte mit Kontakt)
- Du das Ergebnis im Lauf der Zeit verbessern willst und nicht sofort top brauchst
Es funktioniert nicht, wenn:
- Du am Wochenende lieber andere Dinge machst
- Du bei technischen Problemen schnell frustriert bist
- Du komplexe Funktionen brauchst (Online-Shop, Buchungssystem)
- Du auf SEO und Performance angewiesen bist (lokale Geschäfte)
Rechne als Anfänger mit 30 bis 50 Stunden Lernen und Bauen für das, was 500€ kostet. Rechne das mal gegen deinen eigenen Stundensatz.
Praxis-Beispiele aus meinem Alltag
Beispiel 1: Yoga-Studio aus Essen
Inhaberin, allein, kein Marketing-Budget. Sie hatte mit Wix angefangen, weil ein Bekannter das empfohlen hatte. Nach zwei Jahren kam sie zu mir: "Ich finde mich bei Google nicht, Anmeldungen kommen nur über Instagram." Wir haben die Seite neu gebaut (500€), ein Buchungstool eingebunden und lokales SEO aufgesetzt. Nach drei Monaten kam der erste Klick über "Yoga Essen-Rüttenscheid". Heute kommt ein großer Teil der Neukunden über Google.
Richtig war der Freelancer-Weg statt des Wix-Premium-Pakets. Falsch waren die zwei Jahre, die sie auf "wird schon" gewartet hat.
Beispiel 2: B2B-Software-Anbieter aus München
10 Mitarbeiter, Spezial-Software für Logistik. Die Agentur-Website war von 2018, der neue Marketing-Leiter wollte einen Relaunch. Das Agentur-Angebot lag bei 35.000€ und 6 Monaten. Ich habe die Alternative gebaut: 4.500€, 5 Wochen, Multi-Page mit interaktiver Produkt-Tour.
Richtig war, nicht aus Gewohnheit beim alten Anbieter zu bleiben. Beinahe vergessen hätten sie die bestehenden Google-Rankings. Dafür habe ich eine Redirect-Liste mit über 200 URLs gebaut.
Beispiel 3: Versicherungsmakler aus Stuttgart
Einzelkämpfer mit 15 Jahren Erfahrung. Wollte "irgendwas Einfaches", hat mit Jimdo angefangen, vier Stunden investiert und entnervt aufgegeben. Dann kam die Frage an mich: "Was ist die einfachste Lösung, die ich nicht selber machen muss?" Daraus wurde eine dreiseitige Website für 350€. Er hat in vier Jahren nichts daran geändert. Läuft immer noch.
Richtig war die ehrliche Einschätzung "Ich will das nicht selber machen". Nicht jeder hat Lust auf Tools, und das ist völlig in Ordnung.
Beispiel 4: Maschinenbau-Mittelständler aus Oberhausen
120 Mitarbeiter, internationale Kunden, großes Produktportfolio. Ohne Agentur ging das nicht: 5 Sprachen, SAP-Anbindung für die Produktstammdaten, 3D-Animationen, Whitepaper-Strecke. Budget 45.000€, Laufzeit 5 Monate. Hat funktioniert.
Richtig war, das gar nicht erst mit Freelancer-Budget zu versuchen. Bei der Komplexität ist der Agentur-Preis berechtigt.
Mein Fazit
Für die allermeisten kleinen und mittleren Betriebe ist ein erfahrener Freelancer die richtige Wahl. Du zahlst über fünf Jahre ungefähr so viel wie beim Baukasten und bekommst dafür eine schnelle, gut auffindbare Seite, die dir gehört. Dazu einen Festpreis statt Stundensatz und einen Ansprechpartner statt Telefonkette.
Zum Baukasten greifst du, wenn die Website kein Vertriebskanal ist und das Budget bei null liegt. Zur Agentur, wenn dein Projekt bei 15.000€ anfängt oder strenge Compliance-Auflagen hat.
Du weißt schon, dass es ein Freelancer sein soll, aber nicht welcher? Dann lies Wie finde ich den richtigen Webentwickler? mit Checkliste und Red Flags. Und wenn du wie viele meiner Kunden im Ruhrgebiet sitzt: mein Angebot für Webdesign in Essen.
Freelancer mit Festpreis: lass uns reden
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