Wie finde ich den richtigen Webentwickler? Checkliste für Unternehmer 2026
Du brauchst eine neue Website oder willst deine alte überarbeiten lassen. Jetzt kommt die schwierigste Frage: Wem vertraust du dein Projekt an? Die Auswahl ist riesig – Agenturen, Freelancer, Baukasten-Anbieter, internationale Plattformen wie Fiverr. Und jeder verspricht das Blaue vom Himmel.
In den letzten Jahren habe ich mit dutzenden Unternehmern gesprochen, die schon ein- oder zweimal auf die Nase gefallen sind. Die meisten Fehler entstehen vor dem ersten Bezahlen – beim Auswahlprozess. Dieser Artikel ist deine Checkliste, damit dir das nicht passiert.
Was du vorher selbst klären musst
Bevor du den ersten Entwickler ansprichst, musst du zwei Sachen wissen: Was willst du erreichen und was kostet dich das, wenn es nicht funktioniert. Klingt banal, aber 80% der Anfragen die ich bekomme starten mit "Ich brauche halt eine Website". Das ist zu wenig.
Frag dich konkret: Soll die Website neue Kunden bringen? Bestehende Kunden informieren? Ein Produkt verkaufen? Termine annehmen? Wenn du den Zweck nicht beantworten kannst, bekommst du eine schöne Website – aber keinen Mehrwert. Mehr dazu findest du in unserem Artikel zum Website-Briefing mit Vorlage.
Agentur, Freelancer oder Baukasten – die ehrliche Einordnung
Baukasten (Wix, Jimdo, Squarespace)
Funktioniert für dich, wenn du unter 50€/Monat ausgeben willst und ein Standardprojekt hast: einfache Visitenkarte, kleiner Blog, lokaler Verein. Du bist selbst der Macher. Vorteil: günstig im Start. Nachteil: du bezahlst monatlich für immer, hast schlechtere Ladezeiten und bist im Design eingeschränkt. SEO ist bei den meisten Baukästen mittelmäßig.
Freelancer
Beste Option für die meisten KMU. Du hast direkten Kontakt zum Entwickler, der dein Projekt baut. Preise sind transparent, Reaktionszeiten sind kurz. Du bekommst keine 20-seitige Pitch-Präsentation, sondern jemanden der direkt anfängt zu arbeiten. Nachteil: ein Freelancer kann nur eine begrenzte Zahl Projekte gleichzeitig stemmen, hat keine Buchhaltung, kein Backoffice.
Agentur
Sinnvoll, wenn du ein Budget ab 15.000€ hast und ein komplexes Projekt brauchst (Konzern-Website, Online-Shop mit ERP-Anbindung, Markenrelaunch). Du bezahlst für Strukturen: Projektmanager, Designer, Entwickler, Texter. Vorteil: Ausfallsicherheit. Nachteil: hohe Preise, lange Entscheidungswege. Den ausführlichen Vergleich findest du in unserem Artikel Webentwickler, Agentur oder Baukasten?.
Die 8 Fragen die du jedem Anbieter stellen solltest
1. Kann ich vor der Bezahlung etwas Konkretes sehen?
Seriöse Entwickler zeigen dir eine Demo, einen Entwurf oder mindestens vergleichbare Projekte. Wer "wir besprechen das im Workshop für 1.500€" sagt, will dich an sich binden bevor du weißt, was du bekommst.
2. Was ist im Festpreis enthalten, was nicht?
Lass dir schriftlich aufschreiben: Wie viele Seiten? Wie viele Korrekturschleifen? Sind Texte dabei oder lieferst du sie? Wird die Seite gehostet? Wer kümmert sich um die Domain? Diese Details entscheiden, ob "ab 500€" am Ende 500€ oder 5.000€ kostet.
3. Wie lange dauert das Projekt?
Eine Standard-Website sollte in 7-14 Tagen fertig sein. Ein Online-Shop in 3-4 Wochen. Wenn jemand "3 Monate" für eine einfache Website sagt, hat er zu viele Projekte. Mehr Details findest du im Artikel Wie lange dauert eine Website?.
4. Wer macht die Arbeit wirklich?
Bei Agenturen wichtig: spricht der Geschäftsführer im Pitch, aber programmiert ein Praktikant? Bei internationalen Plattformen: sitzt der Entwickler in derselben Zeitzone? Sprache, Erreichbarkeit und Erfahrungslevel entscheiden über Qualität.
5. Bekomme ich Zugriff auf den Quellcode?
Das ist die wichtigste Frage und 90% der Auftraggeber stellen sie nicht. Manche Anbieter geben dir nur Zugang zu einem geschlossenen System, das du nicht migrieren kannst. Dann bist du gefangen. Gute Entwickler übergeben dir den Code, deine Domain, deine Logins – alles in deinem Besitz.
6. Was passiert nach dem Launch?
Updates, Sicherheit, kleine Änderungen – das ist nach Launch nicht weg. Frag, was monatliche Wartung kostet (realistisch: 0€ bei statischen Seiten, 30-100€ bei dynamischen Anwendungen). Frag auch, was eine spätere Erweiterung kosten würde.
7. Hast du Referenzen aus meiner Branche?
Nicht zwingend notwendig, aber hilfreich. Ein Entwickler der schon drei Handwerker-Seiten gebaut hat, weiß was funktioniert. Achtung: Referenzen sollten live und erreichbar sein. Tote Links sind ein schlechtes Zeichen.
8. Kann ich nach Launch jederzeit selbst Texte ändern?
Bei kleinen Websites ist das nicht immer nötig – wenn die Texte einmal stehen, ändern sich die selten. Aber wenn du regelmäßig Inhalte pflegen willst (Blog, neue Angebote, Team-Seite), brauchst du ein einfaches CMS oder einen Bearbeitungs-Modus. Frag explizit danach.
Bonus-Frage: Was passiert, wenn ich nicht zufrieden bin? Seriöse Anbieter haben eine klare Antwort: Geld-zurück-Garantie, Nachbesserung im Festpreis, oder sie zeigen vor Bezahlung schon so viel, dass du nicht "die Katze im Sack" kaufst. Wer ausweicht – Vorsicht.
Red Flags – wann du die Finger weg lassen solltest
Roter Flag #1: "Das besprechen wir später." Bei Preis, Umfang, Timing. Wer vor Vertragsabschluss nicht klar kommuniziert, kommuniziert auch danach nicht klar.
Roter Flag #2: Du sollst sofort eine große Anzahlung leisten (50% oder mehr) ohne etwas gesehen zu haben.
Roter Flag #3: Die eigene Website des Anbieters ist langsam, hässlich oder nicht mobil-optimiert. Wenn der Schuster keine Schuhe hat, ist Vorsicht geboten.
Roter Flag #4: Keine Telefonnummer, keine Adresse im Impressum, nur ein Kontaktformular. Bei deutschen Anbietern ein klares Warnzeichen.
Roter Flag #5: "Ich nutze Wordpress mit 30 Plugins" – kann ok sein, kann aber auch heißen: langsam, hackbar, Wartungs-Hölle.
Roter Flag #6: Versprechen wie "Platz 1 bei Google in 2 Wochen". SEO ist langfristige Arbeit. Wer sowas verspricht, lügt.
Wie du das richtige Erstgespräch führst
Wenn du einen Anbieter kontaktierst, mach das nicht per Massenmail. Schreib einen kurzen, klaren Text:
- Wer du bist (Branche, Größe)
- Was du brauchst (Website-Typ, Funktionen)
- Budget-Rahmen (auch wenn ungefähr)
- Timing (wann soll die Seite live sein)
- Eine konkrete Frage
Die Antwortzeit ist schon ein erstes Qualitätsmerkmal. Wer auf eine ernsthafte Anfrage nicht innerhalb von 48 Stunden antwortet, ist entweder überlastet oder nicht interessiert. Beides ist für dich schlecht.
Preis ist nicht alles, aber Preis ist viel
Ein häufiger Fehler: Unternehmer wählen den günstigsten Anbieter. Anderer Fehler: Unternehmer wählen den teuersten, weil "teuer = gut". Beides ist Quatsch. Eine professionelle Standard-Website kostet beim Freelancer 149-800€, ein Online-Shop 600-2.500€, eine individuelle Web-App 1.500-8.000€. Alles darüber rechtfertigt sich nur durch konkrete Mehrleistung, die du benennen kannst.
Detaillierte Preisinformationen findest du in unserem Artikel Was kostet eine Website?.
Mein Tipp: das 3-Anbieter-Prinzip
Hol dir Angebote von drei Anbietern. Einen sehr günstigen (Baukasten / Junior-Freelancer), einen mittleren (erfahrener Freelancer), einen teuren (Agentur). Dann siehst du Preisspanne und Leistungsumfang im Vergleich. Du erkennst auch, welcher Anbieter wirklich auf deine Anfrage eingeht – und wer dir nur einen Standard-Pitch schickt.
Wichtig: Schick allen das gleiche Briefing. Wenn du einem Anbieter mehr Information gibst als dem anderen, kannst du die Antworten nicht fair vergleichen. Eine fertige Vorlage findest du im Artikel Website-Briefing erstellen.
Was du bei der Auswertung der Angebote vergleichen solltest
Drei Angebote auf dem Tisch – jetzt kommt der Vergleich. Schau nicht nur auf die Endsumme. Vergleiche:
- Reaktionsgeschwindigkeit: Wer hat innerhalb 24 Stunden geantwortet? Wer hat 5 Tage gebraucht? Wer gar nicht?
- Verständnis für dein Anliegen: Hat der Anbieter dein Briefing wirklich gelesen? Oder schreibt er Standardtexte, die er an alle schickt?
- Konkretheit: Steht im Angebot "Wir erstellen Ihnen eine moderne, professionelle Website" – oder "10 Unterseiten, 3 Korrekturschleifen, Launch in 14 Werktagen"?
- Festpreis vs. Stundenschätzung: Ein Festpreis ist für dich besser, weil planbar. Eine Stundenschätzung kann ausufern.
- Ausstiegsklauseln: Was passiert, wenn du im laufenden Projekt aussteigen willst? Gute Verträge regeln das fair.
- Eigentumsrechte: Wem gehört der Code nach Launch? Wem gehört das Design? Wem die Domain?
Wie du dich vor schlechten Erfahrungen schützt
Auch nach gutem Auswahlprozess kann was schiefgehen. Diese Schutz-Mechanismen helfen:
Anzahlung-Begrenzung
Bezahl nie mehr als 30% im Voraus. Branchen-Standard ist: Drittel bei Auftragserteilung, Drittel beim Design-Freigabe, Drittel bei Launch. Bei Festpreis-Projekten unter 1.000€ kannst du auch 50/50 machen. Aber: niemals 100% vorab.
Schriftliche Leistungsbeschreibung
Was nicht im Angebot steht, gibt's nicht. Eine WhatsApp-Zusage "Klar, das machen wir auch" reicht nicht. Bestand auf einem schriftlichen Angebot mit Leistungsumfang, sonst gibt es später Streit über "war das jetzt drin oder nicht".
Vertraglich abgesicherte Zugänge
Nach Launch sollst du alle Zugänge bekommen: Hosting-Konto, Domain-Verwaltung, Datenbank-Zugriff, Source-Code (per GitHub-Repository oder ZIP). Wer das nicht herausgeben will, hält dich als Geisel.
Geduld bei kleinen Schwierigkeiten
Kein Projekt läuft 100% glatt. Ein guter Anbieter kommuniziert offen, wenn es mal hakt – ein Bug, eine verspätete Lieferung, eine schwierige API. Wenn du da gleich panisch reagierst, machst du es allen schwer. Achte aber auf Wiederholungs-Muster: einmaliger Stolperer ist menschlich, ständige Verzögerungen ist Pattern.
Sonderfall: Wenn du eine bestehende Website hast
Du hast schon eine Website, die aber nicht mehr taugt. Drei Optionen:
- Relaunch von Grund auf: Neue Seite, alle Inhalte werden überarbeitet, alte Struktur wird verbessert. Aufwand höher, Ergebnis am besten.
- Redesign auf bestehender Basis: Layout neu, Inhalte bleiben, Technik bleibt teilweise. Günstiger, aber begrenzte Verbesserung.
- Punktuelle Optimierung: Nur Ladezeit verbessern, oder nur das Kontaktformular neu, oder nur Mobile-Ansicht. Für sehr kleine Budgets.
Bei Relaunches ist wichtig: SEO-Umzug. Wenn du auf eine neue Seite migrierst, dürfen deine bestehenden Google-Rankings nicht verschwinden. Das geht über 301-Redirects der alten URLs auf neue, Sitemap-Übergabe, sauberes URL-Schema. Frag den Anbieter explizit ob er weiß was das ist – wenn er stutzt, hast du ein Problem.
Was nach dem Launch passiert
Eine Website ist nicht "fertig und nie wieder anfassen". Was du wissen musst:
- Sicherheits-Updates: Bei dynamischen Systemen (Wordpress, Shop-Software) regelmäßig nötig. Bei statischen Seiten meist nicht.
- Inhalts-Pflege: Wer schreibt neue Blog-Artikel, fügt neue Projekte hinzu, aktualisiert Preise? Du oder Entwickler?
- Performance-Monitoring: Geschwindigkeit überwachen, Ausfälle erkennen. Kostet 0-20€/Monat mit Tools wie UptimeRobot.
- Backups: Mindestens wöchentlich automatisch. Im Hosting meist enthalten, aber prüf das.
- Analytics auswerten: Was funktioniert auf der Seite, was nicht. Daraus lernst du für Verbesserungen.
Klär vorher, was im Festpreis enthalten ist und was monatlich kostet. Es gibt zwei Modelle: Wartungspauschale (z.B. 30€/Monat alles drin) oder Stundensatz on-demand (du zahlst nur wenn was nötig ist).
Fazit
Den richtigen Webentwickler findest du nicht über Werbung oder Bauchgefühl. Du findest ihn, indem du klare Fragen stellst und auf konkrete Antworten bestehst. Wer nicht transparent über Preis, Umfang und Vorgehen sprechen kann, wird auch dein Projekt nicht transparent abwickeln. Wer dir vor der ersten Bezahlung schon zeigen kann, wie deine Seite aussehen wird – mit dem kannst du arbeiten.
Wenn du noch unschlüssig bist, ob du eine Website selbst über Baukasten machen, einen Freelancer beauftragen oder gleich eine Agentur einbeziehen solltest, hilft dir unser detaillierter Vergleichs-Artikel weiter: Webentwickler, Agentur oder Baukasten – was passt zu deinem Unternehmen?
Direkter Kontakt, klarer Festpreis
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